Video

Ob ich damit gerechnet hatte, dass das Internet Video revolutionieren würde?
"Ist das Netz denn nicht schon Revolution genug?", hätte ich 2006 zurück gefragt.

Dennoch: Mein Reaktion war Begeisterung pur, als die ersten Filme ohne Puffern durch meinen Browser jagten, und normale Menschen irgendwo auf der Welt nur mit Webcam bewaffnet ein Millionenpublikum erreichten.

Dass ich einmal Teil dieser Revolution sein würde, wurde mir erst viel später klar.



Ich bin YouTuber seit 2006. Ein kurzer Clip mit blitzenden Lichtern in einer Diskothek war mein erster Upload-Versuch.

Richtig ernst nahm ich Video aber erst im Ende 2007, als ich mit einer HD-Kamera ausgestattet Deutschland für ein Jahr den Rücken kehrte. Ich wollte Australien erkunden und mein Leben Down Under dokumentieren.



Auf dem Rücksitz meines Autos "Charlie" sitzend, schlug ich mir im Outback Australiens die Nächte um die Ohren, um meine Videoabenteuer nach Deutschland zu senden. Bis zu 1000 Zuschauer verfolgten meine Reise, und als ich am Ende meines Jahres zurückkam, hatte ich nicht nur eine treue Zuschauerschaft zusammen - in Deutschland hatte sich auch so etwas, wie eine Szene gebildet.

Es waren Video-begeisterte, die versuchten, sich auf der englischsprachigen Plattform YouTube zu behaupten: Sie waren ein Mittelding aus Hobbyfilmern und Enthusiasten, Fans und Freunden. Es war eine schöne und wilde Zeit, in der so vieles neu und unüberschaubar war. Jede Woche veränderte viel, und es war schwer, Schritt zu halten. Und trotzdem haben wir das geschafft - zumindest für eine Weile.

Ab 2009 wurden diese Szene von einer noch größeren Szene abgelöst: Das YouTube-Partner-Programm machte es möglich, dass Videoproduzenten ihre Arbeit über Werbeeinnahmen finanzieren konnten. Eine Flut neuer, kreativer Produzenten, aber auch vieler Nachmacher wurde ausgelöst: Ein digitaler Goldrausch auf Video hatte begonnen, der die Szene zu etwas machte, das heute nur noch wenig mit der Anfangszeit zu tun hat, die ich 2006 kennen gelernt habe. Es war die Geburtstunde des heutigen YouTube.

Irgendwie bin ich da hinein geraten, und irgendwie habe ich es geschafft, im Jahr 2015 immer noch dabei zu sein.
Ich bin heute keiner der allergrößten YouTuber mehr, auch wenn ich 2008 noch Teil der Top 20 war - auf der Ranglisten mit den meisten Abonnenten.
Trotzdem werden meine Videos auch heute noch von einer beachtlichen Anzahl Menschen gesehen. Mehr als 2 Millionen views erreiche ich jedes Jahr. Bis heute hatte ich auf allen meinen Kanälen zusammen über 18 Millionen Zuschauer - und da sind Auftritte auf anderen Kanälen noch nicht einmal eingerechnet.

Wenn man sich diese Zahl in einem mit Menschen gefüllten Stadion vorstellt, ist man zu Recht geplättet.
Als ich 2014 die Vorführung eines meiner Videos in der mit mehr als 15.000 Leute gefüllten Lanxess Arena in Köln beobachtete, wurden mir diese Dimensionen noch einmal sehr deutlich vor Augen geführt.

Ich bin froh, dass ich heute immer noch Teil der Szene sein kann, auch wenn ich ungern mit den Namen konkurrieren möchte, die heute als Synomym für YouTube durch die etablierte Medienszene geistern. Ich bin ich geblieben. Die Machart meiner Videos hat sich professionalisiert, aber der Content ist so individuell geblieben, wie er immer war.

Ich bin YouTuber, und ich mache Videos mit viel Begeisterung und Liebe fürs Detail.
Massenware ist nicht mein Ding, sondern kurze, fantasievolle Filme, die Zuschauer begeistern und inspirieren sollen.

Ich denke, das mir das gelingt. :)